Facepots

  • Facepot #4
  • Facepot #3
  • Facepot #2
  • Facepot #1

Facepot # 1 – 8, Lambda-Prints, je 60 x 80 cm, 2014,
Facepot # 9, Keramik, Planze, Maße variabel, 2014

Pflanzen sind in ihrer Wirkungsweise bzw. ihrer Verwendung der von Kunstwerken ähnlich. Beide tragen zu einer Verbesserung bzw.  Aufwertung der Atmosphäre eines Raumes bei und werfen ein gutes Licht auf die Person, die sie besitzt. Insbesondere das Sammeln von Kunst wird in der Regel mit einem gewissem Maß an Kultiviertheit einer Person verbunden – ohne dass dies jedoch zwangsläufig zutreffen muss.

Häufig treten in Räumen mit repräsentativer Funktion sowohl Pflanzen als auch Kunstwerke auf.

Dem investierten Kapital in Kunst steht eine gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Anerkennung gegenüber.
Betrachten wir das gegenwärtige System der Kunstwelt mit seinen Rankings und Marktmechanismen so wissen wir auch, dass Kunst längst auch zu spekulativen Zwecken gehandelt wird.

Nicht als Kunstwerke im engeren Sinne sondern als funktionale und mystische Objekte wurden Anfang des 19. Jahrhunderts in Nordamerika sogenannte Face-Jugs gefertigt. Afro-amerikanische Sklaven waren dabei die Urheber von Tongefäßen mit grimmigen oder skurrilen Gesichtern. Es wird vermutet, dass den Sklaven zu dieser Zeit Grabsteine nicht erlaubt waren, weshalb diese zur Markierung von Gräbern die sogenannten „Face jugs“ entwickelten.

Ihre Aufgabe war es dabei „böse Geister“ (von der verstorbenen Person)
fernzuhalten.

Von der weissen Bevölkerung wurde auch der Begriff „Woodoo Jugs“ geprägt.
Es wird angenommen, dass diese Objekte aus gebrannten Ton unter den schwierigen bzw. oft grausamen Bedingungen unter denen die Sklaven in Amerika leben und Arbeit verrichten mussten, eine religiöse Funktion übernahmen und im weitesten Sinne dazu dienten die eigene Identität oder Persönlichkeit am Leben zu erhalten.
Historische Beispiele von Face-jugs sind in ihrer ursprünglichen Form als wichtiger Aspekt afro-amerikanischer Kultur zu sehen und werden auch vom Smithsonian Institute gesammelt und von den Kulturwissenschaften erforscht.

In der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts wurden Face jugs zum puren Vergnügen hergestellt, da es keinen Markt dafür gab. Später wurden sie auch von weissen Töpfern gefertigt und halfen diesen sich mit dem Verkauf von Face-Jugs finanziell über Wasser zu halten – Die Kategorie Face-Jug fand somit Einzug in die sogenannte Folk-Art.

Die von mir gefertigten Face-pots, die als solche eine Einheit mit darin befindlichen Zimmerpflanzen bilden, können als Fortführung des Gedankens der „Verzauberung“ gesehen werden und zeigen das Interesse eines „akademischen Künstlers“ an nicht akademischer Kunst bzw. einer Kunst die nicht der Logik des Marktes unterliegt.

Die Aufgabe der Face pots soll im übertragenen Sinne die „Vertreibung böser Geister“ aus der Kunstwelt sein, auch wenn dies wohl etwas optimistisch erscheinen mag.

Wie auch bei den ursprünglichen „Face jugs“ sind auch die von mir in Referenz dazu gefertigten Face pots darauf ausgelegt formal eine sehr direkte Kontaktaufnahme zur betrachtenden Person zu erzielen. Sie sollen entweder eine Reaktion von Ablehnung oder Verbundenheit hervorrufen. Reaktionen können dabei von verstörend bis belustigend reichen.

Zu sehen sind die „Face pots“ entweder als dreidimensionale Objekte im Raum oder als Fotografien.

Die Fotografie bietet dabei die Möglichkeit den Blick, den der Betrachter bei einer realen Begegnung mit dem Objekt frei bestimmen kann (einer der grossen Vorzüge von Skulptur) in dem er sich selbst um die Skulptur bewegt, zu entziehen bzw. diesen durch das fotografische Abbild genau zu lenken. Der subjektive und bestimmende Blick der Person, die die Kamera bedient bringt somit auch mehr Möglichkeit der Manipulation, Erhöhung und Illusion mit sich.

Das Platzieren von Pflanzen in Pflanzentrögen bzw. Vorrichtungen die zu einer Erhöhung dieser führt, erinnert dabei auch an eines der ältesten „Probleme“ der Skulptur, ich möchte es hier ganz einfach das „Sockelproblem“ nennen und an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, jedoch behaupten dass das Thema nach wie vor aktuell ist.