Translozierung als Methode

  • Stefan Klampfer

Transolzierung als Methode einer künstlerischen Intervention,

ein Projekt konzipiert und durchgeführt gemeinsam mit Aldo Ernstbrunner, 2010

Im Frühjahr 2010 wurden Studierende der Wiener Kunstuniversitäten eingeladen, Konzepte einzureichen um ein bestehendes Kriegerdenkmal im Stiegenaufgang des BG 19 (Gymnasiumstrasse 83, 1190 Wien) neu zu kontextualisieren bzw. es künstlerisch in Frage zu stellen. Die Jury entschied sich dabei für das vorliegende Projekt.

Konzept, Mai 2010

Kriegerdenkmal und Marmorrahmen mit Inschrift wurden in unterschiedlichen Zeiten angebracht. Die Gedenktafel aus Bronze wurde im Jahre 1935 von Ernst Peche, einem illegalen Nationalsozialisten und Lehrer des BG19 entworfen. Der Marmorrahmen entstand jedoch nach dem 2.WK, mit dem Wissen um Krieg und Verbrechen des Nationalsozialismus. Diese Weiterführung des ursprünglichen Denkmals muss gezeigt werden, weshalb es notwendig ist beide Teile von einander zu trennen. Das Kriegerdenkmal als solches muss erhalten bleiben – es ist ein Zeitdokument. Durch Platzierung links der ursprünglichen Stelle wird die zeitliche Abfolge der Entstehung veranschaulicht. Dazu ist es nötig die Bronze von der Wand zu lösen. Was man an der freigelegten Stelle sehen wird ist abhängig von der Beschaffenheit der dahinterliegenden Wand und soll in einem rohen Zustand belassen werden. Rechts von dem nunmehr leeren Rahmen, und durch das zeitliche Arrangement der Gegenwart entsprechend, ist eine Tafel angebracht, die die Beweggründe der Translozierung beschreibt und zusätzliche Informationen liefert. Die Tafel hat die selben Maße wie die Bronze und könnte somit auch in den Rahmen passen. Um formal eine gewisse Einheitlichkeit zu erzielen soll die gesamte Wandfläche durch Konstruktion einer in Trockenbauweise errichteten Wand eingefasst werden werden. Als Material sind Faserzementplatten vorgesehen in welche über die gesamte Länge insgesamt 104 vertikale Einritzungen gemacht werden – diese stehen für die Anzahl der im NS-Rassensinn verwiesenen Lehrer, Schülerinnen und Schüler dieser Schule und sollen diesen gewidmet sein. BetrachterInnen sehen nun einen leeren Rahmen, flankiert von 2 Objekten, die beide in diesen hineinpassen würden. Die Unbestimmtheit der Situation soll dazu anhalten selbst gedankliche Arbeit zu leisten und sich mit dem Geschehenen genauer auseinanderzusetzen.

Ausführliche Projektdokumentation als pdf

Translozierung als Methode.pdf